Steine als Heilmittel / Steinheilkunde

Steine als Heilmittel – gestern und heute

Von der antiken Lithotherapie zur modernen Schungit-Forschung – und was die Wissenschaft heute darüber sagt

Das Wichtigste in Kürze

Steinheilkunde ist über Jahrtausende in fast jeder Kultur belegt – von ägyptischen Amuletten über Hildegard von Bingens Physica bis zu Ayurveda und TCM. Die meisten heute verbreiteten esoterischen Zuschreibungen stammen jedoch erst aus der New-Age-Bewegung der 1970er-Jahre und lassen sich nicht historisch zurückverfolgen. Eine Ausnahme bildet Schungit: 1992 wurden in ihm natürlich vorkommende Fullerene nachgewiesen – jene Kohlenstoffmoleküle, für deren Entdeckung 1996 der Nobelpreis für Chemie vergeben wurde. Damit ist Schungit der einzige weitverbreitete Heilstein, dessen Wirkstoffe materialwissenschaftlich beschrieben und in peer-reviewten Studien untersucht sind – vor allem im Bereich Wasseraufbereitung und Antioxidation.

Ein Stein ist mehr als Stein

Menschen legen seit Zehntausenden von Jahren besondere Steine auf Wunden, tragen Amulette aus Mineralien um den Hals, mahlen Mineralien zu Pulver und mischen sie in Heiltränke. Das klingt nach einer fernen, magisch-dunklen Vergangenheit – und ist es teilweise auch. Doch wer genauer hinschaut, findet in dieser langen Geschichte erstaunlich viel, das sich bei näherer Betrachtung als nicht ganz falsch erweist.

Dieser Artikel nimmt die Geschichte der Steinheilkunde ernst – ohne sie unkritisch zu romantisieren. Er fragt, welche Formen der Steinanwendung in welchen Kulturen entstanden, welche Denkmodelle dahinterstanden, wo Glaube, Magie und echte Wirksamkeit ineinanderflossen – und wo heute eine Ausnahme existiert: ein Stein, der tatsächlich wissenschaftlich untersucht, materialchemisch charakterisiert und in peer-reviewten Studien beschrieben wurde. Dieser Stein ist Schungit.

Als jemand, der sich seit über 20 Jahren mit Schungit und Edelschungit befasst, ist mir der Unterschied zwischen Überlieferung und Evidenz wichtig. Beides verdient Respekt – aber es ist entscheidend, beides klar voneinander zu trennen.

Warum ich diesen Artikel geschrieben habe

Seit mehr als zwei Jahrzehnten beschäftige ich mich als Heilpraktiker mit Schungit, seiner Geschichte und den wissenschaftlichen Erkenntnissen zu diesem außergewöhnlichen Gestein. Dabei ist mir immer wieder aufgefallen, dass historische Überlieferungen, moderne Esoterik und naturwissenschaftliche Forschung häufig miteinander vermischt werden.

Genau deshalb entstand dieser Beitrag. Er soll weder historische Anwendungen verklären noch wissenschaftliche Erkenntnisse überdehnen. Mein Ziel ist es vielmehr, die Entwicklung der Steinheilkunde von ihren historischen Ursprüngen bis zur heutigen Materialwissenschaft nachvollziehbar einzuordnen und klar zwischen überlieferten Erfahrungen, belegbaren Fakten und offenen Forschungsfragen zu unterscheiden.

Wer sich mit Naturheilkunde beschäftigt, sollte beides kennen: das kulturelle Erbe jahrtausendealter Heiltraditionen ebenso wie die Grenzen und Möglichkeiten moderner Wissenschaft. Erst die Kombination beider Perspektiven ermöglicht eine sachliche Bewertung.

steinheilkunde heute und gestern 2026

Was ist Steinheilkunde – und was ist sie nicht?

Steinheilkunde, auch Lithotherapie oder Edelsteintherapie genannt, ist kein einheitliches Heilsystem, sondern ein Sammelbegriff für sehr unterschiedliche Praktiken aus sehr unterschiedlichen Epochen und Kulturen. Sie reichen von der nachweisbaren Verwendung mineralischer Substanzen als echte Arzneistoffe – Alaun als Adstringens, Schwefel gegen Hauterkrankungen, Zinnober in der chinesischen Medizin – bis hin zu symbolisch-magischen Amuletten, die Schutz und Gunst der Götter sichern sollten. Beides existierte oft nebeneinander und vermischte sich.

Klar lässt sich sagen: Die historische Nutzung von Steinen und Mineralien zu Heil- und Schutzzwecken ist über alle Kulturen hinweg gut dokumentiert. Die modernen esoterischen Zuschreibungen – Rosenquarz für Liebe, Amethyst für Spiritualität, Chakrensteine für Energiefelder – sind dagegen überwiegend ein Produkt der New-Age-Bewegung der 1970er und 1980er Jahre und lassen sich historisch nicht bis in die Antike zurückverfolgen.

Frühgeschichte: Der Stein als Amulett und Schutz

Vorgeschichte und Steinzeit

Die ältesten Belege für die Nutzung besonderer Steine reichen in die Altsteinzeit zurück. Archäologische Funde zeigen, dass Menschen bereits vor Zehntausenden von Jahren ausgewählte Mineralien – Ocker, Malachit, Bergkristall – als Schmuck, Grabbeigabe oder rituelles Objekt verwendeten. Ocker (Eisenoxid) wurde auf Totenkörper aufgetragen, vermutlich als Symbol für Blut, Leben oder Schutz. Hier liegt der Ursprung der Steinheilkunde: nicht in medizinischem Kalkül, sondern in der menschlichen Fähigkeit, bedeutsame Objekte aus der Natur auszuwählen und ihnen Wirkung zuzuschreiben.

Babylonien und Assyrien

Die Babylonier und Assyrer stellten Tinkturen und Elixiere mit Edelsteinwasser her – eine Praxis, die sich über Jahrtausende wiederholt. Die Logik: Wenn ein Stein besondere Eigenschaften hat, überträgt er diese auf das Wasser, das mit ihm in Berührung kommt. Das klingt esoterisch, entspricht in bestimmten Fällen aber einem realen chemischen Vorgang – nämlich dann, wenn der Stein tatsächlich Substanzen an das Wasser abgibt. Mineralwasser ist im Prinzip nichts anderes.

Antike: Systematik und erste Wissenschaft

Ägypten: Stein als Schutz im Leben und im Tod

Im Alten Ägypten (ca. 3000–500 v. Chr.) spielten Edelsteine und Mineralien eine tiefe religiöse Rolle. Amulette aus Lapislazuli, Karniol, Türkis und Malachit sollten Schutz, Gesundheit und ein gutes Leben nach dem Tod gewährleisten. Malachit, reich an Kupfer, wurde als Heilpigment verwendet und zeigt eine Übergangslinie zwischen symbolischem Schutz und tatsächlicher chemischer Wirkung.

Griechenland und Rom: Erste systematische Beschreibungen

Die Griechen entwickelten die erste systematische Stein- und Mineralienkunde. Theophrastos von Eresos (ca. 372–287 v. Chr.), Schüler des Aristoteles, verfasste mit Peri Lithon (Über die Steine) das älteste erhaltene mineralogische Werk der europäischen Geschichte. Plinius der Ältere widmete in seiner Naturalis Historia mehrere Bücher den Mineralien, Dioskurides beschrieb in De Materia Medica Mineralien als Arzneistoffe – Alaun, Schwefel, Kupferverbindungen, die tatsächlich medizinisch wirksam waren. Galen von Pergamon integrierte mineralische Heilmittel in sein humoralpathologisches System.

Mittelalter: Zwischen Glaube, Symbolik und Erfahrungswissen

Im Mittelalter entstanden sogenannte Lapidarien – Steinbücher, die Eigenschaften und Heilwirkungen von Edelsteinen beschrieben und antikes Naturwissen mit christlicher Symbolik verbanden. Bischof Marbod von Rennes verfasste um 1090 sein einflussreiches Werk Über Edelsteine.

Hildegard von Bingen: Systematikerin der mittelalterlichen Steinheilkunde

Die bedeutendste Figur der mittelalterlichen Steinheilkunde im deutschsprachigen Raum ist Hildegard von Bingen (1098–1179). Die Benediktinerabäbtissin und Naturforscherin widmete in ihrer Physica ein ganzes Buch den Mineralien – und beschrieb sie nicht nur symbolisch-religiös, sondern beobachtete konkrete Wirkungen.

„So wie es die Unkräuter gibt, die, an die Haut des Menschen gebracht, dort Blasen entstehen lassen, so gibt es auch Edelsteine, die, auf die Haut des Menschen gelegt, durch ihre Wirkungsweise ihn gesund und scharfsinnig machen.“
– Hildegard von Bingen, Physica, ca. 1150–1160

Sie empfiehlt etwa, Bergkristall in der Sonne zu erwärmen, dann Wasser darüberzugießen und dieses bei Magen- und Herzbeschwerden zu trinken. Ob die Wirkung vom Stein kam oder vom Ritual selbst, ist eine Frage, die sich in der Volksmedizin aller Epochen stellt.

Neuzeit bis 20. Jahrhundert: Verdrängung und Wiederkehr

Mit der wissenschaftlichen Revolution des 17. und 18. Jahrhunderts wurden Mineralien chemisch analysiert und ihre Wirkung im Labor überprüft. Wirksame Stoffe wie Alaun, Schwefel und Eisenverbindungen wurden in die entstehende Pharmakologie aufgenommen, rein symbolisch-rituelle Anwendungen in den Bereich des Volksglaubens verwiesen. Der Mediziner Hermann Georg Fühner legte Anfang des 20. Jahrhunderts eine nüchterne wissenschaftshistorische Bestandsaufnahme vor: Die Mehrzahl der überlieferten Wirkzuschreibungen war demnach symbolisch-rituell, nicht pharmakologisch.

In den 1970er- und 1980er-Jahren erlebte die Steinheilkunde im Kontext der New-Age-Bewegung eine breite Wiedergeburt. Konzepte wie Energiefelder, Schwingungen und Chakren sind weder historisch überliefert noch wissenschaftlich belegt und lassen sich nicht auf antike oder mittelalterliche Quellen zurückführen.

Welche Steine überdauerten – und warum

Steine, die über Jahrtausende und Kulturräume hinweg in der Heilkunde auftauchten, wurden selten zufällig gewählt. Fast immer steckte eine Logik dahinter – Farbe, Struktur oder ein chemischer Inhaltsstoff mit konkreter Wirkung.

Lapislazuli – der Stein des Himmels

Archäologisch belegt seit mindestens 6.000 Jahren, unter anderem in der Totenmaske Tutanchamuns verarbeitet. Im europäischen Mittelalter unter dem Namen Saphir von Hildegard von Bingen beschrieben.

Quellen: Archäologische Belege ägyptischer Gräberstätten (Tutanchamun-Maske, ca. 1323 v. Chr.); Theophrastos, Peri Lithon, ca. 315 v. Chr.; Hildegard von Bingen, Physica Buch 4.

Hämatit – der Blutstein mit Eisenwirkung

Höhlenmalereien aus der Altsteinzeit (über 40.000 Jahre alt) wurden mit Hämatit-Pigmenten ausgeführt. Der Name leitet sich vom griechischen haima (Blut) ab. Dioskurides beschrieb Eisensalze als Hämostatika, Plinius erwähnte Hämatit bei Wundbehandlung. Hämatit ist tatsächlich eine natürliche Eisenquelle – einer der wenigen Steine, bei dem eine Wirkungshypothese chemisch nicht ganz unplausibel ist.

Quellen: Dioskurides, De Materia Medica, Buch V; Plinius d.Ä., Naturalis Historia, Buch 36.

Amethyst – der Stein gegen Trunkenheit

Der Name kommt vom griechischen amethystos – „nicht betrunken“. Griechen und Römer fertigten Trinkgefäße aus Amethyst, in der Überzeugung, er schütze vor Rausch.

Quellen: International Gem Society, History & Legend of Amethyst; New World Encyclopedia, Amethyst.

Malachit – Kupfer als Wirkstoff

Ägyptische Frauen nutzten das grüne Kupfercarbonat als Augenpigment; das enthaltene Kupfer wirkt tatsächlich antibakteriell. Wichtiger Hinweis: Malachit sollte wegen des hohen, in gelöster Form giftigen Kupfergehalts nie für Elixiere oder Wasser-Zubereitungen verwendet werden.

Quellen: Dioskurides, De Materia Medica, Buch V; Supersmart.com, Antike Medizin (2023).

Steine in Ayurveda und Traditioneller Chinesischer Medizin

Im Ayurveda beschreibt das Konzept der Bhasma (Sanskrit: kalziniertes Pulver) Mineralien und Metalle, die durch wiederholtes Glühen in eine bioverfügbare Form gebracht werden. Moderne Analysen zeigten, dass das bekannte Präparat Swarnabhasma nanostrukturiertes, potenziell bioverfügbares Gold enthält (Patil-Bhole et al., Journal of Ayurveda and Integrative Medicine, 2021).

In der TCM ist Jade (yu) seit mindestens 7.000 Jahren das bedeutendste Mineral. Wissenschaftlich interessant: Jade emittiert ferne Infrarotstrahlung im Wellenlängenbereich von 6–14 μm – kompatibel mit menschlicher Körperstrahlung – und speichert Wärme gleichmäßig, was ihre Nutzung in Wärmematten und Gua-Sha-Werkzeugen erklärt.

Quellen: Patil-Bhole et al., J Ayurveda Integr Med, 2021, DOI: 10.1016/j.jaim.2021.06.017; Dr. Hoon C. Kim, Eastern Medicine’s Historic Use of Jade Stone, Human Touch (2025).

Und dann kam Schungit – spät, aber mit einer anderen Qualität

Lapislazuli war seit 6.000 Jahren bekannt, Jade seit 7.000 Jahren Teil der chinesischen Kultur. Schungit trat verhältnismäßig spät ins Bewusstsein der Menschheit – weil er praktisch nur an einem einzigen Ort der Erde vorkommt: in Karelien, im Nordwesten Russlands. Das erste historisch fassbare Wissen stammt aus dem 16./17. Jahrhundert; Legenden berichten von heilenden Quellen am Onegasee. Erst der russische Geologieprofessor Alexander Alexandrowitsch Inostranzew führte im 19. Jahrhundert den Begriff Schungit in die geologische Fachliteratur ein – benannt nach dem Dorf Schunga.

Was Schungit von allen anderen historischen Heilsteinen unterscheidet, ist nicht sein Alter oder seine mythologische Aufladung, sondern das, was er auf molekularer Ebene enthält: Mit der Entdeckung der Fullerene in Schungit 1992 – und dem Nobelpreis für Chemie 1996 für die Entdecker dieser Molekülklasse – eröffnete sich eine neue Kategorie: ein Stein, über den mit den Mitteln der modernen Chemie und Materialwissenschaft gesprochen werden kann.

Schungit – der Sonderfall

Entstehung und Geologie: 2 Milliarden Jahre alt

Schungit ist ein präkambrisches Mineralgestein, das hauptsächlich in Karelien vorkommt, nahe des Dorfs Schunga am Onegasee. Sein Alter wird auf etwa 2 Milliarden Jahre geschätzt – entstanden vor dem Aufkommen komplexen organischen Lebens. Die verbreitetste geologische Hypothese: Schungit entstand aus uralten marinen Sedimenten, möglicherweise aus Meeresalgen, die unter Druck und Hitze metamorphosiert wurden. Er besteht hauptsächlich aus Kohlenstoff – je nach Qualitätsstufe zwischen 30 und 98 Prozent – ergänzt durch Quarz, Pyrit und Calcit.

Schungitklassifikation nach Kohlenstoffgehalt

Typ I (Edelschungit / Noble Shungite): bis zu 98 % Kohlenstoff, seltene Vorkommnisse, halbmetallischer Glanz

Typ II (Schwarzer Schungit): 30–80 % Kohlenstoff, häufigste Form

Typ III (Schungitgestein): unter 30 % Kohlenstoff, meist als Baumaterial verwendet

Wer sich intensiver mit den geologischen Eigenschaften, Qualitätsstufen und Fachbegriffen rund um Schungit beschäftigen möchte, findet im Schungit-Lexikon weiterführende Hintergrundinformationen sowie Erläuterungen wichtiger Fachbegriffe.

Historische Nutzung: Vom Romanov-Mythos zu Peter dem Großen

Eine überlieferte Legende berichtet, dass die Mutter des ersten Romanov-Zaren Michail (reg. 1613–1617) durch das Wasser einer schungithaltigen Quelle in Karelien geheilt wurde. Historisch belegt und aktiv handelnd war Zar Peter der Große (1672–1725): Er befahl seinen Soldaten, auf Feldzügen Schungit mitzuführen, um Trinkwasser zu reinigen und Krankheiten wie Ruhr und Skorbut vorzubeugen. 1719 gründete er am Onegasee mit Marcial Waters das erste russische Heilbad.

Die therapeutische Anwendung für die Bewohner Kareliens hat sich seit mehreren Jahrhunderten bewahrt. Die erste wissenschaftliche Studie über Schungit stammt aus der Zeit von Zar Peter dem Großen.
– Shungite Energy, Historische Chronik

Mit der russischen Revolution 1917 und der Abschottung Russlands verschwand Schungit weitgehend aus dem internationalen Blickfeld und blieb dem westlichen Publikum lange unbekannt.

Die Fullerene: Wenn ein Stein Geschichte schreibt

Eine Entdeckung mit Nobelpreis

1985 entdeckten die Wissenschaftler Harold Kroto, Robert Curl und Richard Smalley in einem Laborversuch eine neue Form von Kohlenstoff: das C60-Molekül, eine kugelförmige Anordnung aus 60 Kohlenstoffatomen. Sie nannten es Buckminsterfullerene, nach dem Architekten Buckminster Fuller. 1996 erhielten die drei den Nobelpreis für Chemie. Entscheidend für Schungit: 1992 wurden Fullerene erstmals in der Natur nachgewiesen – im Schungit. Bis heute ist er einer der wenigen bekannten natürlichen Träger von Fullerenen auf der Erde, neben Meteoriten und Blitzeinschlagspuren.

Buckminsterfullerenes were found in a family of minerals known as Shungites in Karelia, Russia.
– New World Encyclopedia, Fullerene

Was Fullerene biochemisch leisten können

Fullerene, insbesondere C60, zählen zu den intensivst erforschten Molekülen der Materialwissenschaft. In der Biologie interessieren sie vor allem als Radikalfänger – Antioxidantien, die reaktive Sauerstoffspezies (ROS) neutralisieren können. Peer-reviewte Studien haben unter anderem folgende Effekte untersucht:

  • Antioxidative Wirkung: Fullerene C60 reduzieren intrazelluläre ROS in Zellversuchen und Tiermodellen nachweisbar (Sergeeva et al., 2019; Liao et al., 2021).
  • Leberschützende Wirkung: Wasserlösliche C60-Suspensionen zeigten in Tierversuchen keinen akuten oder subakuten Toxizitätseffekt und schützten die Leber dosisabhängig vor Schäden durch freie Radikale.
  • Entzündungshemmende Wirkung: Schungit-Extrakte reduzierten in einem in-vivo-Modell proinflammatorische Zytokine und verbesserten Hautparameter bei UVB-bedingtem Schaden (Tierversuch, PMC5574306).
  • Wasserreinigung: Hohe Absorptionskraft für organische Schadstoffe wie Benzol und Mykotoxine in Laborversuchen – das am besten dokumentierte praktische Anwendungsgebiet.
  • Antibakterielle Wirkung: Die Filterwirkung auf bakterienbelastetes Wasser ist historisch belegt und wurde in moderneren Studien bestätigt.

Eine fortlaufend aktualisierte Übersicht wissenschaftlicher Veröffentlichungen zu Schungit und Fullerenen findet sich unter: https://schungit.eu/studien/

Wichtige Einordnung: Diese Studien beziehen sich auf isolierte Fullerene oder Schungit-Extrakte unter kontrollierten Bedingungen – nicht auf das einfache Auflegen eines Schungitsteins auf die Haut oder das kurze Einlegen in Wasser. Große klinische Humanstudien fehlen weitgehend. Die Forschung ist vielversprechend, aber nicht abgeschlossen.

Schungit als Wasserstein: das wissenschaftlich stärkste Anwendungsgebiet

Das am besten belegte Anwendungsgebiet ist die Wasseraufbereitung: Schungit kann organische Verbindungen, bestimmte Schwermetalle und Bakterien aus Wasser filtern. Russische Forschungen, unter anderem am Forschungszentrum Karelien, dokumentierten zudem, dass schungitgefiltertes Wasser über mehrere Monate bei Patienten mit Asthma und allergischen Hauterkrankungen positive Effekte zeigte.

Eine wichtige Einschränkung: Unzureichend gewaschener Schungit kann temporär Schwermetalle wie Nickel, Blei oder Cadmium ans Wasser abgeben. Gründliches Wässern vor der Verwendung ist deshalb zwingend erforderlich – bei Edelschungit (Typ I) aufgrund des höheren Reinheitsgrades weniger problematisch als bei minderwertigen Varianten.

Was wir heute wissenschaftlich sicher wissen

  • ✔ Die historische Verwendung von Steinen und Mineralien zu Heil- und Schutzzwecken ist in zahlreichen Kulturen gut dokumentiert.
  • ✔ Viele klassische Anwendungen beruhten auf tatsächlich wirksamen mineralischen Inhaltsstoffen, andere auf symbolischen oder religiösen Vorstellungen.
  • ✔ Schungit enthält natürlich vorkommende Fullerene – eine materialwissenschaftlich gut untersuchte Kohlenstoffstruktur.
  • ✔ Für die Wasseraufbereitung und Adsorption liegen die derzeit stärksten experimentellen Nachweise vor.
  • ◯ Für therapeutische Anwendungen am Menschen existieren bislang nur begrenzte klinische Daten. Weitere hochwertige Humanstudien sind erforderlich.

Edelschungit und das AyuSan Elixier – eine persönliche Brücke

Meine Beschäftigung mit Schungit begann vor über 20 Jahren, zu einem Zeitpunkt, als das Mineral im deutschsprachigen Raum kaum bekannt war. Mich faszinierte der Widerspruch: ein Stein, der in der Volksmedizin Kareliens seit Jahrhunderten verwendet wurde, über den es kaum westliche Quellen gab – der aber gleichzeitig, durch die Fullerene, eine molekulare Struktur trägt, die Wissenschaftsgeschichte geschrieben hat.

Das AyuSan Elixier, das ich entwickelt habe, nutzt Schungitwasser als Trägerstoff – nicht aus esoterischen Gründen, sondern weil Schungitwasser antioxidativ wirkt, den Stoffwechsel stimuliert und die Aufnahme von Wirkstoffen unterstützen kann. Es ist das moderne Äquivalent zum mittelalterlichen Weinauszug: Der Träger ist nicht neutral, er ist Teil der Wirkung. Die Inhaltsstoffe des Elixiers – Gingerol, Thymol, Flavonoide, Omega-Fettsäuren, Piperin, Vitamin C und andere – entfalten ihre Wirkung in diesem Trägermedium. Wie bei aller guten Naturheilkunde gilt: Nicht ein Stoff allein wirkt, sondern das Zusammenspiel überzeugt.

Mehr zum Schungitwasser – AuySan Elixier – klick hier auf Link.

Was bleibt: eine ehrliche Bilanz

Die Geschichte der Steinheilkunde ist lang, vielgestaltig und häufig ambivalent. Manches, was überliefert wurde, hatte echte pharmakologische Grundlagen – mineralische Arzneistoffe, Wasserfilterung, adstringierende Verbindungen. Vieles andere war Symbolik, Ritual, Glaube – nicht wirkungslos, aber auf anderen Ebenen wirkend als behauptet.

Schungit nimmt in dieser Geschichte eine besondere Stellung ein. Nicht weil er „magisch“ ist – das ist er nicht. Sondern weil er der einzige weitverbreitete Stein ist, der eine wissenschaftlich charakterisierte, pharmazeutisch relevante Molekülstruktur enthält: natürliche Fullerene. Und weil vor allem seine Anwendung zur Wasseraufbereitung empirisch und teilweise experimentell untersucht ist. Das bedeutet nicht, dass jeder Schungitstein jede behauptete Wirkung hat. Es bedeutet, dass über Schungit anders gesprochen werden kann als über Rosenquarz oder Amethyst – nämlich mit sachlichen Argumenten, auf Basis von Chemie und Materialwissenschaft.

Als jemand, der seit mehr als zwei Jahrzehnten mit diesem Mineral arbeitet, ist mir genau das wichtig: nicht zu übertreiben, nicht zu romantisieren, aber auch nicht zu unterschlagen, was belegt ist. Sachliche Information statt Heilsversprechen – das ist mein Anspruch.

Schungit heilt, rettet, reinigt, stellt wieder her und schützt. Die Gelehrten, die Schungit untersucht haben, erklären es einstimmig zum Wunder.
– Russische Volkslegende (historisch überliefert)

Legenden sind keine Wissenschaft. Aber manchmal enthalten sie einen Kern, der sich beim näheren Hinsehen als gar nicht so weit von der Wahrheit entfernt erweist.

Transparenzhinweis

Dieser Beitrag verbindet historische Quellen, wissenschaftliche Veröffentlichungen und eigene langjährige praktische Erfahrungen des Autors. Historische Überlieferungen werden als kulturgeschichtliche Quellen dargestellt und sind nicht automatisch als wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis zu verstehen. Aussagen zu aktuellen Forschungsergebnissen orientieren sich an veröffentlichten Facharbeiten und werden entsprechend ihres jeweiligen Evidenzgrades eingeordnet.


Quellenhinweise & weiterführende Literatur

Historische Primärquellen

  • Theophrastos von Eresos: Peri Lithon (Über die Steine), ca. 315 v. Chr.
  • Plinius der Ältere: Naturalis Historia, Buch 37 (De Gemmis), ca. 77 n. Chr.
  • Dioskurides: De Materia Medica, ca. 50–70 n. Chr.
  • Hildegard von Bingen: Physica, Buch 4 (De Lapidibus), ca. 1150–1160.
  • Marbod von Rennes: Liber Lapidum, ca. 1090.

Wissenschaftliche Literatur zu Schungit und Fullerenen

  • Curl, R.F. / Kroto, H.W. / Smalley, R.E.: C60: Buckminsterfullerene. Nature, 318 (1985), 162–163. (Nobelpreis für Chemie 1996)
  • Sergeeva, V. et al.: Antioxidant Properties of Fullerene Derivatives. Oxidative Medicine and Cellular Longevity, 2019. DOI: 10.1155/2019/4398695
  • Liao, S. et al.: Fullerene C60 Protects Against Intestinal Injury from Deoxynivalenol Toxicity. Life, 11(6), 2021. DOI: 10.3390/life11060491
  • Lee, C. et al.: Antioxidant and Anti-Inflammatory Effects of Shungite against UVB-Induced Skin Damage in Hairless Mice. Oxidative Medicine and Cellular Longevity, 2017. PMC5574306
  • Reznikov, V. et al.: Natural fullerene C60 (NC60) in Shungite: Potential Applications in Medicine and Ecology. (Russische Akademieforschung, Petrosawodsk)
  • Fühner, H.G.: Lithotherapie – Geschichte der Verwendung von Edelsteinen in der Medizin. Dissertation, 1902.
  • Patil-Bhole et al.: Nanostructured gold in ancient Ayurvedic calcined drug Swarnabhasma. J Ayurveda Integr Med, 2021. DOI: 10.1016/j.jaim.2021.06.017

Weitere Quellen

  • New World Encyclopedia: Fullerene, newworldencyclopedia.org
  • American Chemical Society: Discovery of Fullerenes – National Historic Chemical Landmark, acs.org
  • Inostranzew, A.A.: Geologische Beschreibung des Schungits (Karelien), 19. Jahrhundert.
  • Krobath, A.: Schungit – der Heilstein des 21. Jahrhunderts. Buch, edelschungit.eu, 2025.

Die vollständige Fassung dieses Beitrags mit ergänzendem Literaturverzeichnis ist zudem auf Academia.edu abrufbar: Steine als Heilmittel – gestern und heute (Academia.edu).

Über den Autor

Andreas Krobath
Heilpraktiker für Naturheilkunde · Schungit-Experte seit 2003 · Fachautor & Buchautor

Seit über 20 Jahren beschäftige ich mich mit der Erforschung von Schungit und Edelschungit – ihrer Geologie, ihrer Geschichte und ihren belegbaren Eigenschaften. Als Heilpraktiker und Fachautor liegt mir die Trennung zwischen Überlieferung und Evidenz am Herzen: sachlich, transparent, ohne übertriebene Heilsversprechen.

krobath.priv.at  |  gesundheitsarena.info  |  edelschungit.eu  |  Academia.edu